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Zeitreise mit der Schwebebahn

Wuppertals Wahrzeichen wird derzeit zum Internet-Blockbuster. Der Grund: ein kurzer Film aus dem Jahr 1902, der eine Schwebebahnfahrt von Vohwinkel nach Elberfeld zeigt. Das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) hat dieses historische Werk in hoher Auflösung digitalisiert und auf Youtube eingestellt – das Ergebnis ist eine faszinierende Zeitreise, die in aller Welt Begeisterung auslöst.

„Unglaublich!“- „Wunderbar!“ – „Das ist ein wahrer Schatz!“ Mit solchem Enthusiasmus feiern Menschen rund um den Globus derzeit einen zweiminütigen Youtube-Clip, der eine Schwebebahnfahrt zwischen Vohwinkel und Elberfeld zeigt. Und diese Begeisterung ist absolut gerechtfertigt – denn dieser Youtube-Clip zeigt nicht nur ein Stadtpanorama des Wuppertals in kristallklarer Bildqualität. Er ist ganze 118 Jahre alt. „The Flying Train“ heißt der Stummfilm aus dem Jahr 1902, in dem sich lange vergessene Bilder einer untergegangenen Stadtlandschaft in nahezu atemberaubender Schärfe entfalten. In der ersten Woche nach der Veröffentlichung ist der Film bereits etwa 600.000-mal gesehen und begeistert kommentiert worden.

Am Bismarck vorbei zum alten Döppersberg

Die Schwebebahn gleitet hinweg über Vohwinkel und Sonnborn, die damals noch geradezu ländlich anmuteten, unter dem eleganten alten Sonnborner Eisenbahnviadukt hindurch, einst einem bautechnischen Meisterwerk, das 1913 abgebrochen und durch den heute noch vorhandenen Neubau ersetzt wurde. Weiter führt der Weg hinein ins Elberfelder Zentrum, vorbei etwa an der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bismarck-Statue, die sich einst in imperialem Gestus an der Ecke Schlossbleiche/Mäuerchen erhob. Kurz noch hat der Betrachter Zeit, die herrschaftliche Gründerzeit-Architektur des damaligen Elberfelder Zentrums zu bewundern, etwa den Brausenwerther Platz mit seinem Reiterstandbild von Wilhelm II., der heute unter dem Asphaltband der B7 begraben ist. Dann durchfährt die Schwebebahn die alte Station Döppersberg – und hier ist die filmische Zeitreise zu Ende.

Gedreht auf 68-Millimeter-Filmmaterial

Veröffentlicht wurde dieses historische Filmdokument vor 118 Jahren durch die Deutsche Mutoskop und Biograph GmbH mit Sitz in Berlin. Gedreht wurde es auf 68-Millimeter-Filmmaterial, das eine viel größere Bildqualität als die heute gebräuchlichen Kleinformate ermöglichte. Das Original begeisterte vier Jahre nach seiner Entstehung schon einmal das Publikum in Wuppertal - das war 1906, als "The Flying Train" bei der Eröffnung des Elberfelder Thalia-Theaters gezeigt wurde. Das Museum of Modern Art hat nun eine Kopie des Films aus ihrem Archiv restauriert und digitalisiert. Aus diesem an sich schon beeindruckenden Material wiederum hat der Filmrestaurierungs-Experte Denis Shiryaev mit Hilfe einer speziellen Technik eine kolorierte 4K-Version geschaffen, die das Wuppertal vergangener Tag sogar in Farbe wieder auferstehen lässt. Es ermöglicht eine Zeitreise, die den Betrachter staunend zurücklässt – vielleicht ein kleiner Trost in diesen Tagen, in denen die moderne Wuppertaler Schwebebahn zum pannenträchtigen Sanierungsfall geworden ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hier geht es zum kolorierten Video von Denis Shiryaev.

Und hier ist das Original-Video aus dem MoMA-Archiv zu sehen.