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Die gute Stube von Eins A Elberfeld

Der Kerstenplatz zwischen Poststraße und Neumarkt war einst der Stammsitz von Wuppertals bedeutendster Bankiersfamilie.

Ein Stück Entspannung, mitten im Großstadt-Trubel? Die beste Adresse dafür ist in Eins A Elberfeld der Kerstenplatz. Auf einer der Gastronomie-Terrassen im Schatten des alten Baumbestandes kann man hier die Seele baumeln lassen und dazu ein Getränk oder einen Snack genießen. Lesestoff dazu gibt es am markanten roten Zeitungskiosk, und wer mag, kann auch den Kindern zuschauen, die vor allem bei gutem Wetter liebend gern der Zuckerfritz-Statue von Ulle Hees guten Tag sagen. Das Standbild, 1979 mit Blick auf den Neumarkt errichtet, erinnert an Fritz Poth (1831-1906), ein einst beliebtes Elberfelder Original, das seinen Spitznamen wegen seiner Liebe zu Süßigkeiten erhalten hatte.

Abraham Kersten ist der Namensgeber des Platzes

Geprägt wird der Platz heute von moderner Geschäfts-Architektur. Die markante Sichtbeton-Fassade des Commerzbank-Komplexes erinnert zugleich an den Ursprung des Kerstenplatzes. Denn an diesem stand die Wiege des einst bedeutendsten Bankhauses Elberfelds. Dessen Namensgeber ist zugleich der des Platzes: Abraham Kersten (1733-1796). Dieser hatte von seinem Vater im Jahr 1754 ein Handels- und Geldverleihgeschäft übernommen, das er zu einem der ältesten deutschen Privatbankhäuser ausbaute. Für dieses florierende Bankgeschäft erbaute er am heutigen Kerstenplatz eine repräsentative Villa, die zugleich Betriebs- und Wohnstätte der Familie Kersten war.

250 Jahre Bank-Geschichte nahmen hier ihren Anfang

Nach Abrahams Tod 1796 übernahm sein Schwiegersohn Daniel Heinrich von der Heydt, Spross einer Konditorenfamilie, das Geschäft. Dafür änderte er seinen Familiennamen in von der Heydt-Kersten – und dies war ab 1827 auch der Name der familieneigenen Bank. „Von-der-Heydt-Kersten & Söhne“ wurde zu einem Markennamen, der internationale Bedeutung erhalten und bis 2004 bestehen bleiben sollte – ehe die einstige Privatbank in der Commerzbank aufging.

Die Villa Abraham Kerstens, die Keimzelle der Bank, hatte da schon längst dem Platz seinen Namen gegeben, der heute noch besteht. Als „Kerstensplatz“ war er bereits 1824 im Urkataster der Stadt Elberfeld verzeichnet. Er war eine der feineren Adressen Elberfelds, umstanden von bürgerlichen Wohn- und Geschäftshäusern. 1799 wurde hier im Hause eines Lederhändlers die „Elberfelder Missionsgesellschaft“ gegründet, eine der Keimzellen der heute noch bestehenden und weltweit aktiven „Vereinten Evangelischen Mission“ mit Sitz auf der Hardt.

1943 wurde der Platz im Krieg zerstört

Das Bankhaus Von-der-Heydt-Kersten & Söhne zwar zog 1880 in einen größeren Neubau am Neumarkt um, der 1943 im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, zunächst wieder aufgebaut wurde und in den 1960er Jahren schließlich dem Betonkomplex weichen musste, der heute noch Sitz der Commerzbank ist. Die Villa allerdings indes blieb bis zu ihrer Zerstörung 1943 Stammhaus der Familie von der Heydt, die viele berühmte Wuppertaler Persönlichkeiten hervorgebracht hat und auf deren Kunstsammlung das heutige Von der Heydt-Museum zurückgeht.

Neubauten und Geschäftstradition

Der große Bombenangriff auf Elberfeld 1943 war es auch, der das Gesicht des Kerstenplatzes nachhaltig veränderte. Anstelle der einstigen bergisch-klassizistischen Bebauung entstand nach dem Krieg moderne Geschäftsarchitektur. Hier ist etwa das Warenhaus Hertie zu nennen, das bis ins Jahr 2000 am Kerstenplatz beheimatet war – das Gebäude wurde 2006 abgerissen und wich dem Neubau „Neumarkt 1“, der unter anderem die Wuppertaler Saturn-Filiale, Gastronomie und ein Fitnessstudio beherbergt. Zu einer echten Traditionsadresse am Kerstenplatz ist zudem das Schreibwarengeschäft Bürobedarf Illert geworden. Das Fachgeschäft, 1914 gegründet, ist seit 1953 am heutigen Standort zuhause und zieht mit seinem umfassenden, spezialisierten Sortiment auch heute noch Kunden aus der ganzen Region an. Zum Kerstenplatz – der guten Stube von Eins A Elberfeld.