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Ein Blick in die Zukunft

Eine pulsierende Lichtinstallation, neue Freiräume, klare Linien: So könnte die Zukunft von Alter Freiheit, Poststraße und Kerstenplatz aussehen. Die ISG Poststraße/Alte Freiheit hat den Eigentümern des Straßenzugs nun das neue Lichtkonzept und erste Grundzüge des Gestaltungshandbuchs präsentiert. Dafür gab es viel Zustimmung – jetzt geht es an die Umsetzung.

Es ist ein bedeutender Schritt für die ISG Poststraße/Alte Freiheit: Bei einer Versammlung haben jetzt die anwesenden Immobilieneigentümer aus dem Straßenzug den Ideen für das neue Lichtkonzept und das Gestaltungshandbuch zugestimmt. „Jetzt können wir an der Poststraße der Zukunft bauen“, freut sich Nikolai Espenschied, Vorsitzender und Geschäftsführer der ISG, voller Aufbruchsstimmung. Denn das, was den Eigentümern bei der Versammlung in den Räumen des Ueberholz Space auf den Elberfelder Höhen vorgestellt wurde, kann dem Straßenzug einen echten Qualitätssprung bescheren.

„Die Achse zwischen Bahnhof und Neumarkt ist eine Lebensader der Elberfelder Innenstadt, und das wollen wir mithilfe des Lichts dem Besucher vor Augen führen.“
Nico Ueberholz

Begeisterung löste vor allem das Lichtkonzept aus, das Architekt und Lichtdesigner Nico Ueberholz im Straßenzug umsetzen will. „Die Achse zwischen Bahnhof und Neumarkt ist so etwas wie eine Wirbelsäule, eine Lebensader der Elberfelder Innenstadt“, betonte Ueberholz, „und das wollen wir mithilfe des Lichts dem Besucher vor Augen führen. Denn Licht kann Aufmerksamkeit und Orientierung schaffen, Emotionen auslösen.“ Wie Nico Ueberholz erläuterte, soll einerseits der Charakter des Straßenzuges als geradlinige Achse durch lineare, dezent pulsierende LED-Elemente an Gebäudeecken und -kanten betont werden. „Damit werden die Besucher entlang dieser Lebensader geleitet“, so Ueberholz. Andererseits werden markante Gebäudeteile entlang der Straße und vor allem in den Kreuzungsbereichen durch dezente, warme Flächenbeleuchtung hervorgehoben, was in den dunklen Stunden eine angenehme Aufenthalts-Atmosphäre schaffe und zugleich das architektonische Profil der Straße hervorhebe.

Keine Lichtverschmutzung – Mieter und Anwohner werden nicht gestört

Sämtliche Beleuchtungen werden mit modernen LED-Leuchtmitteln vorgenommen, die sogar in unterschiedlichen Farben programmierbar sind. „Die gesamte Beleuchtung wird so gestaltet, dass dabei Mieter oder Anwohner nicht gestört werden. Es wird keinerlei Lichtverschmutzung in der Straße geben“, versprach Ueberholz. Die Energiekosten der effizienten LED seien dabei minimal. „Manch ein Wuppertaler Privatgarten ist wahrscheinlich mit höheren Gesamt-Wattzahlen ausgestattet als dieser ganze Straßenzug“, so Nico Ueberholz. Sein Konzept wird den Straßenzug aber nicht nur abends und nachts in neues Licht setzen: Auch mit dem Tageslicht zwischen Alter Freiheit und Kerstenplatz will Ueberholz spielen, indem er an ausgewählten Gebäuden wie etwa den City Arkaden mit Spezial-Prismen arbeitet. Diese sollen an den Fassaden sowie durch Spiegelungen auch im Straßenraum für faszinierende Farbeffekte sorgen. Wie das künftig aussehen kann, präsentierte Ueberholz mithilfe eines eigens programmierten digitalen 3D-Modells des Straßenzuges.

Eigentümer wollen das Lichtkonzept voranbringen

Die Eigentümer sprachen sich nach der Präsentation für die weitere Umsetzung des Konzepts aus. Dazu wird die ISG jetzt auf die Eigentümer aller Immobilien zugehen, an denen Elemente der Ueberholz-Beleuchtung angebracht werden sollen. Um diese an den Häusern anbringen zu können, muss die ISG dafür mit jedem Eigentümer einen Gestattungsvertrag abschließen. Ist dieser Prozess abgeschlossen, steht der Installation der Beleuchtung nichts mehr im Weg.

„Wir müssen den Straßenzug aus seiner Beliebigkeit herausholen und ihm einige Alleinstellungsmerkmale verpassen.“
Markus Rathke

Eher längerfristig Auswirkungen wird hingegen das Konzept haben, das Architekt Markus Rathke am gleichen Abend vorstellte: Er hat im Auftrag der ISG ein Gestaltungshandbuch entworfen, dass den Eigentümern als Richtschnur für eine optische Aufwertung des Straßenzuges dienen soll. Sein Ziel: „Wir müssen die Straße aus ihrer Beliebigkeit herausholen und ihr einige Alleinstellungsmerkmale verpassen.“ Dazu empfahl Rathke, der auch Mitglied im Gestaltungsbeirat der Stadt Wuppertal ist, unter anderem eine reduzierte, geradlinige Fassadengliederung und -gestaltung, um die Gebäude als organische Einheiten wieder zu betonen, dazu den Verzicht auf grelle Werbung und Firmenschriftzüge. Rathke: „Gerade ein hochwertiger Look zeichnet sich dadurch aus, dass er durch einen zurückhaltenden Charakter die Gebäude an sich wirken lässt.“

Weiter plädierte er dafür, den ohnehin schmalen Straßenraum aufzuräumen und den Passanten so mehr Raum zum Flanieren zu bieten. All diese Handreichungen könnten die Eigentümer im Fall von Sanierungen oder Umbauten nach und nach umsetzen, um so langfristig das Erscheinungsbild der Straße zu verbessern. Der Architekt betonte aber auch: „Das ist ein langer gemeinsamer Weg.“

Visionen: Begrünte Fassaden und eine Café-Brücke

Dass sich dabei Mut lohnen kann, zeigte Rathke auf, indem er zwei Visualisierungen präsentierte, in denen die Poststraße unter anderem mit begrünten, gleichsam lebendigen Fassaden und einer Café-Brücke in Höhe der ersten Obergeschosse ausgestattet war – als eine Vision dessen, was man mit Gestaltungskraft und Wagemut in einer Straße erreichen kann, wenn man investiert. Gerade diese Visionen wurden im Anschluss unter den Eigentümern kontrovers diskutiert. Doch am Ende waren sich die meisten mit Eleonore Putty, Eigentümerin und ehemalige ISG-Vorsitzende einig: „Wenn wir hochwertiges Publikum und gehobene Mieter anziehen wollen, müssen wir etwas wagen – warum nicht auch ein wenig Extravaganz?“