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Alle lieben Mina

Die Statue der Mina Knallenfalls an der Alten Freiheit ist ein beliebtes Wahrzeichen von Eins A Elberfeld. Jung und Alt mögen die Figur der Bildhauerin Ulle Hees. Lesen Sie hier Minas Geschichte – sie begann vor etwa 150 Jahren.

Sie ist ein echter Star – und das seit mehr als 40 Jahren. Jeden Tag betrachten sie tausende Augen. Viele fassen Sie auch an, lassen ihr etwa eine herzhafte Umarmung zuteil werden. Und sie? Steht stolz da, hoch erhobenen Hauptes, die Arme in die Hüften gestemmt. Keck lächelnd, schaut sie in die Ferne. Dafür lieben sie die Wuppertaler ebenso wie Stadtbesucher und Touristen. Die Mina Knallenfalls. Die wunderbare Bronzestatue der Bildhauerin Ulle Hees am nördlichen Ende der Alten Freiheit.

Ein Leben voller Elend und enttäuschter Hoffnungen

Dabei hat es die Frau, der diese Statue ein Denkmal setzt, eigentlich nie gegeben. Denn Mina Knallenfalls ist eine literarische Figur – die tragische Titelheldin eines Mundart-Epos von Otto Hausmann (1837-1916). Der Heimatdichter aus Elberfeld schrieb sein bedeutendstes Werk vor 150 Jahren, um 1870. Darin erzählt Mina (gesprochen übrigens mit langem „i“ und nicht wie die Grüne Minna) ihr hartes Leben als Mädchen aus dem Elendsviertel Fuhr. In diesem Slum am Wupperufer – er lag etwa dort, wo heute die Zentrale der Wuppertaler Stadtsparkasse in den Himmel ragt – wuchs Mina in ärmlichsten Verhältnissen als Tochter eines arbeitslosen Trinkers auf und schuftete als Weberin in einer der Textilfabriken des boomenden Wuppertals. Minas Geschichte ist die eines entbehrungsreichen Lebens voller Elend und enttäuschter Hoffnungen.

Es gab und gibt tausend Minas – in Wuppertal und darüber hinaus

Doch diese Geschichte der Mina Knallenfalls steht stellvertretend für das Schicksal vieler Arbeiterfamilien im Wuppertal der Industrialisierungszeit. Es verwundert also nicht, dass sich Leser und vor allem Leserinnen vieler Generationen in ihr ein Stück weit wiederentdecken konnten, bis heute. Denn im Grunde hat es Mina letztlich doch wirklich gegeben, viele tausend Male – in Gestalt all der Frauen in Wuppertal und darüber hinaus, denen das Schicksal ein hartes Leben bescherte und die darüber trotz allem weder Würde noch Selbstbewusstsein verloren. Vor allem aus dieser zeitlosen Beispielhaftigkeit speist sich die Popularität, die „usse Mina“ als populäres Original bis heute in Wuppertal genießt.

„Ich habe mir Mina als selbstbewusste Frau vorgestellt.“ Ulle Hees

Und genau so, als „eine von uns“, hat die Wuppertaler Bildhauerin Ulle Hees (1941-2012) ihr im Jahr 1979 ein Denkmal gesetzt. Die Statue der Mina Knallenfalls an der Alten Freiheit ist ein demokratisches Kunstwerk, auf Augenhöhe mit uns, nicht auf einem Sockel enthoben, sondern mit beiden Beinen auf der Erde stehend. Buchstäblich eine Gestalt zum Anfassen, keine Säulenheilige – und dennoch eine Frau, die Stärke ausstrahlt. Das Konzept für die Mina, so verriet Ulle Hees einst, schuf sie an einem einzigen Nachmittag, wobei sie eine Freundin als Vorbild für Minas Gesicht nahm.

Umarmt, bemalt, gestreichelt – Mina ist ein Kunstwerk zum Anfassen

„Ich habe mir die Mina als selbstbewusste Frau genauso vorgestellt, wie ich sie dann gestaltet habe“, erzählte Ulle Hees im Jahr 2008 in einem Interview mit der „Westdeutschen Zeitung“. „Sie steht für den normalen Menschen und ist deswegen nicht erhöht. Es gefällt mir gut, dass mit der Figur soviel geschieht.“ Denn die Bronzestatue wird von Touristen für ein Selfie in den Arm genommen, manchmal angemalt, bekommt Plakate umgehängt und wird von kleinen Kindern zärtlich am Po getätschelt. Als Ulle Hees im Jahr 2012 starb, legten Trauernde auch ihrer Mina Blumen zu Füßen. Dieser starken Frauengestalt, deren Attraktivität ungebrochen ist – auch heute noch. 150 Jahre, nachdem Mina Knallenfalls in Otto Hausmanns Versen das Licht der Welt erblickte.

 

Nachtrag: Die erste Auflage des Textes von Otto Hausmann erschien um 1870 ohne Autorenangabe in der alleinigen Verantwortung des Firmengründers des Wuppertaler Born-Verlages, Johann Henrich Born - da seinem Freund Otto Hausmann die Veröffentlichung zu riskant erschien. Eine Renaissance erlebte die " Mina" 1937 durch die Illustration, für die der unterzeichnete Herausgeber den heimischen Maler Albrecht Kettler gewann. Das von Ulle Hees geschaffene Denkmal wurde 1979 aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Stadt Wuppertal in der Elberfelder Fußgängerzone aufgestellt. Die handliche Taschenbuch-Ausgabe des Born-Verlages mit einer Übersetzung ins "Hochdeutsche" von Lore Duwe ist im Buchhandel oder beim "Bergischen Verlag" in Remscheid beziehbar. Wir danken Johannes Schlottner vom Born-Verlag für diese ergänzenden Hinweise.

Mehr über die "Mina"-Ausgabe des Born-Verlages finden Sie hier.

Und hier geht es auf die Webseite des Born-Verlages.